Im Sog der Swiss Regio League

Veröffentlicht: 15. September 2016 von Team in Saison 2016/2017
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Am Samstag starten die Düdingen Bulls in die 1.-Liga-Meisterschaft. Für das Team wird es eine ebenso ereignisreiche wie wegweisende Saison. Es geht darum, in welcher Liga die Sensler in Zukunft spielen.

Die Saison 2016/17 darf durchaus als Saison der Herausforderungen für die Düdingen Bulls bezeichnet werden. Neben den alljährlichen Wettbewerben wie Westschweizermeisterschaft, nationale Meisterschaft und Cup-Qualifikation treten die Sensler in diesem Jahr erstmals an der Hauptrunde des Schweizer Cups an. Das Spiel gegen den NLA-Verein Genf-Servette (27. September) verspricht ein grosses Hockeyfest zu werden. Parallel zur Saison läuft zudem die Qualifikation für die Swiss Regio League – die neue Liga, die die Zukunft der Bulls massgeblich beeinflussen wird.

Ernüchterung statt Euphorie

Im Januar hatten die Delegierten des Nachwuchs- und Amateursports von Swiss Ice Hockey der Bildung der Swiss Regio League zugestimmt. Die Idee dahinter: In der neuen Spielklasse, die zwischen der NLB und der 1. Liga angesiedelt wird, sollen die besten Teams der drei bisherigen 1.-Liga-Gruppen gegeneinander spielen. Eine Arbeitsgruppe wurde damit beauftragt, bis im Juni die Detailplanung auszuarbeiten. Bis zum 15. September 2016 sollten die Clubs dann die Möglichkeit haben, ihre Bewerbungsdossiers für die neue Liga einzureichen, damit diese bereits im Herbst 2017 ihren Spielbetrieb aufnehmen kann.

So weit, so gut. Anspruch und Wirklichkeit klaffen allerdings ziemlich auseinander. Am Wochenende beginnt die 1.-Liga-Saison, und es ist nach wie vor nicht klar, an welche Auflagen im Bereich Ordnung, Sicherheit, Infrastruktur und Nachwuchsbereich eine Teilnahme an der Swiss Regio League gebunden ist. Nicht zuletzt deshalb ist in Düdingen die Vorfreude, die anfangs auf die neue Liga geherrscht hat, inzwischen der Ernüchterung gewichen. «Es ist nach wie vor nicht klar, was da auf uns zukommen würde», sagt Josef Baeriswyl, Präsident des HC Düdingen.

Auswirkungen nicht 
abschätzbar

Aus sportlicher Sicht ist für die Bulls das Dazugehören zur künftig höchsten Schweizer Amateurklasse quasi ein Muss. Ein Verbleib in der jetzigen Liga würde für den Verein einem sportlichen Abstieg gleichkommen, da die 1. Liga künftig nur noch die vierthöchste Spielklasse sein wird. Die Bulls könnten nicht mehr um den Schweizer Meistertitel der Amateure kämpfen – und ihn so wie 2013 gewinnen –, sondern nur noch um einen regionalen Titel. Für Sponsoren und Zuschauer wäre dies selbstredend weniger attraktiv. Trotz der sportlichen Notwendigkeit sind in Düdingen Vorbehalte gegenüber der neuen Liga vorhanden. So lange der Spielmodus nicht definiert, der Spielbetrieb nicht geregelt ist, lassen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen kaum abschätzen. Insbesondere die steigenden Reisekosten, die höheren Ausbildungsentschädigungen sowie höhere Spesen für Spieler und Trainer drohen das Vereinsbudget im kommenden Jahr zu belasten. «Wenn wir unser aktuelles Budget von 300 000 Franken nur um zehn Prozent erhöhen müssten, liegt es drin», so Baeriswyl. «Wir haben von einigen Sponsoren diesbezüglich schon Zusagen erhalten. Sollte es aber für die Super Regio League mehr Geld brauchen, müssen wir über die Bücher.»

Was dem Bulls-Präsidenten besonders sauer aufstösst: «Nach und nach werden Sachen, mit denen man uns seinerzeit die neue Liga schmackhaft gemacht hat, wieder abgeschafft.» So ist der Passus, der den Austausch von Spielern zwischen der Swiss Premier League und den Nationalliga-Teams ermöglichen sollte, wieder gestrichen worden. «Wir arbeiten auch diese Saison mit Freiburg zusammen und haben gehofft, dass Gottéron-Spieler, die überzählig oder nach einer Verletzung im Aufbau sind, bei uns zum Einsatz kommen könnten.»

Top 4 als Ziel

Auch wenn noch nicht klar ist, wie die Zukunft mit der Swiss Regio League aussieht, so gibt die neue Liga doch den Takt vor. Wer nächstes Jahr auf höchster Amateurstufe dabei sein will, muss heuer nach der Masterround auf einem der ersten vier Plätze klassiert sein. «Unser Ziel sind ganz klar die Top 4», sagt Bulls-Trainer Thomas Zwahlen. «Ob wir tatsächlich aufsteigen würden, ist eine andere Sache.»

Offiziell hat erst der HC Siders seine Aufstiegsambitionen angekündigt, dennoch erwartet Zwahlen einen heissen Kampf um die vordersten Plätze. «Sion hat ein Budget von 1,2 Millionen Franken, Neuenburg zahlt seinen Spielern ebenfalls viel Geld. Forward Morges und Star Lausanne haben fusioniert, dadurch ist ein weiteres starkes Team entstanden. Und Franches-Montagnes hat seit jeher immer eine gute Mannschaft.»

Dass auch die Bulls über ein konkurrenzfähiges Team verfügen, haben sie letzte Saison bewiesen, als sie den Playoff-Final der Westschweizer 1.-Liga-Gruppe erreicht haben (1:3-Niederlage gegen Sion). Und da sie mit der praktisch identischen Mannschaft antreten, ist ihnen erneut einiges zuzutrauen. Einzig Sandro Abplanalp hat das Team in Richtung Neuenburg verlassen, weil er sich mit der ihm zugedachten Rolle im Düdinger Team nicht zufriedengeben wollte. Im Gegenzug stiessen drei letztjährige Elite-A-Junioren von Gottéron zu den Bulls. «Unsere Trümpfe sind die mentale Stärke und der Teamgeist», sagt Zwahlen. «Unser Röschtigraben-Team ist gut eingespielt, das Gemisch zwischen Deutsch und Französisch stimmt. Zudem sind wir taktisch gut eingestellt. In den Testspielen sind wir nach den Powerplays noch zu oft in ein Loch gefallen, aber da arbeiten wir dran.»

Absteiger gibt es in dieser 1.-Liga-Saison keinen, dafür wird in der Verlängerung neu mit drei gegen drei Feldspieler gespielt. Sehr zur Freude von Thomas Zwahlen. «Das Penaltyschiessen fällt damit praktisch weg. Für mich als Trainer ist das super, jetzt muss ich nicht mehr so lange leiden.»

Quelle: Freiburger Nachrichten (Michel Spicher)_DSC4687

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